Frieda

Frieda (*1993)

Hallo ihr Lieben,
mein Name ist Frieda. Ich bin eine 28-jährige Isländerstute und bin seit dem Herbst 2015 im Verein. Einige von euch kennen mich bestimmt aus den K-Gruppen, in denen ich aktuell geritten werde. Ihr erkennt mich an meiner schwarzen, dichten Mähne, dem für Isländer typischen großen Kopf und daran, dass ich ein Rappschecke bin.
Bevor ich in den Verein kam, habe ich zusammen mit einem anderen Pferd auf einer Wiese gewohnt und wurde nur ausgeritten. Am Anfang war es für mich eine Umstellung, auf dem Reitplatz zu gehen und nicht nur im Gelände.
Nun wohne ich zusammen mit Maja, Paula und dem Kleinen Prinzen in einem eigenen Paddock im hinteren Teil des Stutengrundstücks. Paula und ich sind noch stärker allergisch auf Stroh- und Heustaub als die anderen Allergiker wie Gina und Bert oder auch Scarlett. Wir bekommen – wie auch die Pferde der anderen Allergikerkoppel – ebenfalls das spezielle staubarme Heu aus der Trocknungsanlage, welches manchmal sogar noch zusätzlich nass gemacht werden muss, um jeglichen Staub herauszuwaschen. Bei uns im Paddock wird auch nicht mit Stroh, sondern mit allergikergeeignetem Einstreu eingestreut. Wenn wir normales Heu oder Stroh fressen, müssen wir sehr stark husten und haben noch mehrere Tage danach Probleme mit der Atmung. Das Einatmen geht noch einigermaßen, aber beim Ausatmen müssen wir mit Hilfe der Bauchmuskeln die Luft aus der Lunge pressen. Das kann man uns sogar ansehen. Unser hinterer Bauchteil hebt und senkt sich dann sehr stark. Man sagt auch „wir pumpen“. Daher haben Pferde mit unserer Krankheit – wir leiden an einer chronischen Bronchitis, die früher unter Pferdefachmenschen als „Dämpfigkeit“ bezeichnet wurde – oft eine stark ausgeprägte Bauchmuskulatur und es zeichnet sich an unseren Flanken am Übergang zu den Bauchmuskeln eine sogenannte „Dampfrinne“ ab. Die Dämpfigkeit zählt zu den Gewährsmängeln (Hauptmängel) beim Pferd, die – wie mittlerweile auch andere dauerhafte Krankheiten – erlauben würden, dass man uns bei einem Kauf hätte zurückgeben dürfen. Ich bin sehr froh, dass wir im Verein bleiben durften und mir die Chance gegeben wurde, hier für euch „zu arbeiten“, also euch das Reiten beizubringen. Dadurch, dass in unserer kleinen Herde so viel Rücksicht mit dem Futter und Einstreu auf uns genommen wird, haben wir kaum noch Symptome.
Leider habe ich schon einige Zähne verloren, weswegen ich Heu nicht mehr so gut kauen kann. Daher bekomme ich zusätzlich noch dreimal am Tag eingeweichte Heucobs. Diese bestehen aus getrocknetem und gepresstem Heu. Sie sehen aus wie große dunkle Leckerli, aber Achtung, bitte auf keinen Fall verwechseln, das kann sehr gefährlich werden: Die Heucobs würden dann in unserem Magen aufquellen und könnten zu einer starken Kolik bis hin zu einem geplatzten Magen führen. Daher müssen sie immer vorher lang genug mit Wasser eingeweicht werden. Dann entsteht ein Brei, welchen ich sehr gut fressen und verdauen kann. So habe ich genug Energie für die Reitstunden.
In denen bin ich meist hoch motiviert und sehr flott unterwegs. Ihr merkt mir meine Krankheit bestimmt kaum an. Wie ihr vielleicht wisst, braucht ihr auf mir auch keine Gerte, um mich anzutreiben, da ich in der Regel nie faul bin. Wenn ich euch mal zu schnell bin, solltet ihr aber bitte nicht nur an den Zügeln ziehen, da mir das weh tut. Macht euch ein wenig schwerer, indem ihr bewusst ausatmet, setzt euch aufrecht im Sattel hin und sprecht mit mir. Dann merke ich, dass ich zu schnell bin und werde langsamer.
So, ich gehe jetzt mal zurück zu meiner Herde und wünsche euch einen schönen Wochenstart!
Liebe Grüße, eure Frieda